Kunstausstellung und internationaler Workshop in St. Gallen

Es war aussergewöhnliche Kunst von noch aussergewöhnlicheren Künstlerinnen und Künstlern, die Ende November in St. Gallen zu sehen war. Vom 25. bis 27. November 2016 zeigte die Genossenschaft der Mund- und Fussmaler in Kooperation über 100 Werke von 22 mund- oder fussmalenden Kunstschaffenden im Foyer der Tonhalle St. Gallen. Mit zahlreichen Kunstwerken widmete sich die Ausstellung ausserdem dem Mundmaler Klaus Spahni. Der 2014 verstorbene St. Galler Künstler war über 40 Jahre Mitglied der Genossenschaft der Mund- oder Fussmaler und hinterließ ein Werk, das eindrucksvoll die Kraft der Kunst zeigt.

Die Ausstellung wurde mit einer grossen Vernissage am Abend des 24. Novembers 2016 eröffnet. Neben den zahlreichen Gästen und Honoratioren sowie den Künstlern Bracha Fischel, Lars Höllerer, Serge Maudet, Antje Kratz und Lea Otter war auch ein Fernsehteam vor Ort. Der Autor und Kunstvermittler Richard Butz machte mit seinem Vortrag den Auftakt des Abends, dem die Ansprachen der Schweizer Mundmalerin Bracha Fischel, des Direktors des Kunstmuseums St. Gallen, Roland Wäspe, und des Präsidenten der weltweiten Organisation der Mund- oder Fussmaler, Serge Maudet, folgten. „Die Kunst steht im Vordergrund“, so Serge Maudet: „Es gibt für alle Menschen, mit oder ohne Behinderung, ein Recht auf Optimismus – letztlich spielt das bei der täglichen Arbeit die entscheidende Rolle.“ Im Anschluss hatten die anwesenden Künstler und Besucher die Gelegenheit, sich in persönlichen Gesprächen auszutauschen. Besondere Highlights waren die Maldemonstrationen, bei denen die Besucher das Entstehen von Werken live miterleben konnten.

Faszination und Staunen: Mit diesen Worten lässt sich die Reaktion der etwa 750 Besucher über die gesamte Ausstellungszeit hinweg am treffendsten beschreiben. Beim blossen bestaunen der Bilder wäre wohl kaum einer Betrachter darauf gekommen, dass die gezeigten Werke alle mit dem Mund oder Fuss gemalt wurden, lautete das einhellige Fazit vieler Ausstellungsbesucher. Besonders die Maldemonstrationen der Künstler sorgten wiederholt für Überraschung und wurden mit grossem Interesse verfolgt.


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Die Bedeutung des Malens

In den Tagen vor der Ausstellung war in dem zum Malatelier umfunktionierten Foyer der Tonhalle St. Gallen kreatives Werken angesagt. Für einen zweitägigen Workshop waren die oben genannten fünf Künstler in den ostschweizerischen Kanton gereist, um unter der Leitung von Kathrin Spahni, in St. Gallen lebende Künstlerin und Ehefrau Klaus Spahnis, die persönliche Maltechnik weiter zu verfeinern.

Ein Teil des Programms an diesen arbeitsreichen Tagen waren spezielle Malvorführungen für Schulklassen und interessiertes Publikum. In entspannter Atmosphäre konnten die jungen Besucher den Künstlern begegnen und selbst das Malen mit dem Mund oder Fuss probieren. Beim direkten Kontakt zwischen Künstlern und Besuchern entwickelten sich herzliche, offene Gespräche. „Es war bemerkenswert zu beobachten und schön zu sehen, wie sich die jungen Menschen ohne Vorbehalte und Berührungsängste mit den anwesenden Künstlerinnen und Künstlern ausgetauscht haben“, fasst Kathrin Spahni, Workshopleiterin und Kuratorin, die Workshop-Tage zusammen. „Ich war überrascht, mit welchem grossen Interesse die jungen Leute sich den Malprojekten und dem Thema Behinderung gewidmet haben. In solchen Momenten sieht man die Künstlerinnen und Künstler richtig aufblühen.“

Nach der erfolgreichen Premiere im Foyer der Tonhalle St. Gallen sind für die kommenden Jahre weitere Workshops mit zahlreichen internationalen Künstlerinnen und Künstlern in St. Gallen selbst und der gesamten Schweiz geplant.

Eindrücke vom Workshop und der Ausstellung finden Sie hier. Weitere Informationen gibt es hier. Den gesamten Ausstellungskatalog finden Sie hier.